Rückschau: Bürger-Informationsveranstaltung zum (e-)Mobilitätskonzept „e-GAP 2030“ für Garmisch-Partenkirchen

Bevor das Mobilitätskonzept in endgültiger Fassung dem Marktgemeinderat vorgestellt wurde, fand am 23. Juni 2016 für interessierte Bürger die öffentliche Informationsveranstaltung zum (e-)Mobilitätskonzept im großen Sitzungssaal des Rathauses Garmisch-Partenkirchen statt. 

Die Bürger-Informationsveranstaltung mit der Ergebnispräsentation zum Projekt „Nachhaltige (e)-Mobilität für Ga.-Pa. – e-GAP 2030“ begann mit der Begrüßung und Erläuterung des Projekthintergrundes durch die 1. Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer. Die Idee hinter dem Projekt „e-GAP 2030“, das seit Anfang 2015 im Zusammenschluss zwischen Fraunhofer IAO und der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen (unterstützt durch das Kompetenzzentrum Sport Gesundheit Technologie) erarbeitet wurde, ist es, eine Grundlage und ein Leitbild für nachhaltige Mobilität zu schaffen, betonte Dr. Meierhofer. Das Leitbild zielt auf eine nutzerfreundliche und umweltverträgliche Ausgestaltung der Mobilität ab. Sie fügte an, dass im Leitbild gemäß dem Motto „Entdecke Deine wahre Natur“ insbesondere auf die Stärkung des Fahrrad- und Fußverkehrs eingegangen wird, aber als ganzheitliches Verkehrsleitprojekt für alle Bürger auch alle weiteren Verkehrsmittel betrachtet werden. Als ersten Schritt, der konzeptionell mit dem Mobilitätskonzept in Einklang steht und bereits in ausdifferenzierter Form vorliegt, nannte sie das Radverkehrskonzept, das Dr. Stephan Thiel als Mitglied des Gemeinderats mit einem extra zusammengestellten Arbeitskreis ausgearbeitet hat.

Bürger-Informationsveranstaltung mit der Ergebnispräsentation zum Projekt „Na chhaltige (e)-Mobilität für Ga.-Pa. – e-GAP 2030“

Thomas Ernst (Fraunhofer IAO) stellte anschließend den Teilnehmern der Bürger-Informationsveranstaltung die Vorgehensweise und zentralen Ergebnisse im Projekt e-GAP 2030 vor. Das Fraunhofer IAO verfolgt dabei die Strategie der integrierten Verkehrsplanung. Dazu wurde das Projekt „e-GAP 2030“ in vier Hauptarbeitspakete untergliedert und mit Hilfe eines integrierten, systemischen, prozessorientierter Ansatzes entwickelt. Von der Status Quo- und Bestandsanalyse ausgehend wurde im zweiten Schritt ein regionsspezifisches, nachhaltiges Leitbild abgeleitet. In der Leitbildentwicklung berücksichtigte das Projektteam Einflussfaktoren, Zukunftsprojektionen, lokalspezifische Elemente sowie Ziele, die erreicht werden sollen. Zur Validierung erfolgte nach jedem inhaltlichen Projektschritt ein Feedbackworkshop mit lokalen Akteuren und Experten. Als ein weiterer zentraler Bestandteil des Projekts wurde von Anfang an die Öffentlichkeit über Veranstaltungen, umfangreiche Befragungen und Pressemitteilungen (s. auch e-GAP in den Medien) mit einbezogen. Darüber hinaus erfolgte die Informationsweitergabe des Projektverlaufs regelmäßig z.B. als Berichte über die Feedbackworkshops mit den lokalen Akteuren auf der Projekthomepage (e-gap.de) oder auch über Infoveranstaltungen zu Beginn des Projektes und im Rahmen der Bürgerversammlung im Oktober 2015.

Ziel-Haus mit Präambel und der fünf strategischen Zielen e-GAP 2030

„Ziel-Haus“ mit Präambel und der fünf strategischen Zielen

 Zu den Kernergebnissen des Projekts zählen zwölf auf die Marktgemeinde und Region abgestimmte Leitsätze (s. Leitbildentwicklung) sowie fünf strategische Ziele einer nachhaltigen Mobilität in Garmisch-Partenkirchen. Die strategischen Ziele sind vor dem Hintergrund „Wie soll die Mobilität im Jahr 2030 in Garmisch-Partenkirchen aussehen“ bewusst im Präsens formuliert. Den strategischen Zielen ist im „Ziel-Haus“ (s. Abb.) eine Präambel vorgestellt, in der das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit (Ökologie, Ökonomie, Soziales) beachtet wird und die grundliegenden Anforderungen, die über alle Ziele und Maßnahmen hinweg vertreten sein müssen, beschrieben werden. Folgende fünf strategische Ziele wurden im Rahmen des Projekts identifiziert:

•           Attraktiver Lebensraum

•           Attraktive Mobilitätsangebote

•           Intermodale Vernetzung

•           Komfort & Barrierefreiheit

•           Kommunikation & Bewusstseinsbildung

Nach der Vorstellung der erarbeiteten übergeordneten Ziele und der Vorstellung des „Ziel-Hauses“ präsentierten Jörg Hahn und Selina Utzig-Laux (beide Markt Garmisch-Partenkirchen) mit Hilfe von Maßnahmensteckbriefen die zwölf priorisierten Maßnahmen als Leitprojekte. Die Maßnahmen wurden im Vorfeld im Projektschritt der Maßnahmenentwicklung formuliert und sollen der Erreichung der strategischen Ziele dienen. In der Maßnahmenentwicklung wurden zunächst Maßnahmen zu einem breiten Katalog gesammelt und anschließend zu zwölf Leitprojekten zusammengeführt und priorisiert (s. Maßnahmenkonzeptionierung):

Alle zwölf priorisierten Maßnahmen/Leitprojekte werden im Folgenden kurz beschrieben und zum Teil Einblicke in die Maßnahmenausgestaltung gegeben:

Attraktivierung des Fußwegenetzes

Das Leitprojekt  versucht das zu-Fuß-Gehen als Verkehrsmittel zu stärken. Unter anderem gilt es Konflikte bei Querungen und Kreuzungen mit anderen Verkehrsträgern zu mindern. Zu einer weiteren Maßnahmenausgestaltung im Leitprojekt „Attraktivierung des Fußwegenetzes“ kann beispielsweise ein Sitzplatzkonzept mit der Ausweitung von Sitzmöglichkeiten im öffentlichen Raum dienen.

Attraktivierung des Radwegenetzes

Diese Maßnahme hat das Ziel das konventionelle Fahrrad sowie das Pedelec als individuelle Verkehrsmittel besonders zu fördern. Die Attraktivierung des Radwegenetzes stellt dazu die Grundlage dar. Eine weitere Maßnahmenausgestaltung sind zum Beispiel Radabstellmöglichkeiten.

Bewusstseinsbildung & Sensibilisierung

Unter diesem Leitprojekt fällt die Sensibilisierung unterschiedlicher Alters- und Zielgruppen für eine nachhaltige Mobilität und die Bewusstseinsbildung über alternative Mobilitätsformen. Darunter ist z.B. die Mobilitätserziehung oder der Aufbau von Fahrradwerkstätten zu verstehen.

Einheitliche standardisierte Zugangssysteme

Das Ziel dieses Leitprojekts ist den Zugang zu Verkehrssystemen zu vereinheitlichen. Dazu gehört auch eine einheitliche Ausgestaltung der Tarifstruktur und des Bezahlsystems (z.B. über e-Ticketing oder Mobilitätskarten).

Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung

Durch die Erweiterung verkehrsberuhigter Bereiche werden sowohl Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum als auch die allgemeine Verkehrssicherheit erhöht. Zu der Maßnahmenausgestaltung gehören gebietsbezogene Maßnahmen (Tempo 30 Zonen) und punktuelle Maßnahmen (wie z.B. vor Kindergärten & Schulen).

Flexible Bedienformen im ÖPNV

Mit einer bedarfsgerechten und flexiblen Gestaltung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) soll dieses Leitprojekt zur Attraktivitätssteigerung des Nahverkehrs dienen. Darunter fallen unter anderem unterschiedliche Bediengrößen bei Hauptverkehrs- und Nebenverkehrszeiten oder die Einrichtung neuer Bedienformen, wie Bürgerbus oder Rufbus.

Informations- & Kommunikationskonzept

Ein zielgerichtetes Informations- & Kommunikationskonzept soll vorhandene Informationslücken schließen und proaktiv die Informationslage der Wohnbevölkerung sowie Touristen über Mobilitätsangebote und alternative Mobilitätsformen zum motorisierten Individualverkehr verbessern. Als ein Beispiel der Maßnahmenausgestaltung kann die Informationsweitergabe über Neubürgerpakete geschehen.

Mobilitätspunkte-Konzept

Durch die Verknüpfung und Bündelung von mehreren Mobilitätspunkten zu einem abgestimmten Mobilitätspunkte-Konzept im Gemeindegebiet soll die Attraktivität und Funktionalität der Mobilitäts-Punkte gesteigert und der Umstieg zwischen den Verkehrsmitteln erleichtert werden. Dazu gehören eine Mobilitätsdrehscheibe am Bahnhof und intermodale Verknüpfungen an Haltestellen.

ÖPNV-Infrastruktur

Das Leitprojekt der ÖPNV-Infrastruktur umfasst sowohl gebaute als auch organisatorische, informative Elemente. Eine optimierte ÖPNV-Infrastruktur soll zur Nutzungsqualität des Angebots beitragen. Diese Maßnahme betrifft in der Ausgestaltung die Barrierefreiheit, eine abgestimmte Taktung und Echtzeitinformationen.

Optimierung touristischer Mobilitätsangebote

Die Optimierung touristischer Mobilitätsangebote als ein Leitprojekt soll zur Entlastung des innerstädtischen Verkehrs zu touristischen Stoßzeiten führen. Die erforderlichen Maßnahmen reichen von der dynamischen Verkehrsführung an Hauptverkehrsachsen bis hin zu speziellen Verleihangeboten für Touristen.

(E-) Sharing-Konzepte

Durch die Initiierung von (E)-Sharing Konzepten (sowohl mit e-PKW als auch Pedelec) sollen die Intermodalität gesteigert und die Verbreitung der Elektromobilität gefördert werden. Als Beispiel der Maßnahmenausgestaltung gilt es bedarfsgerechte Angebote im Pedelec-Verleih und e-Carsharing an zentralen Mobilitätspunkten aufzustellen. Somit können erste und letzte „Meile“ als Alternative zum eigenen PKW bewältigt werden.

Verstetigung Elektromobilität

Das Leitprojekt der Verstetigung der Elektromobilität soll Projekte und Angebote rund um das Thema Elektromobilität schaffen. Die Elektromobilität als alternative Antriebstechnologie soll weiter vor Ort etabliert und verstetigt werden. Bei dieser Maßnahmenausgestaltung sollen mittelfristig Mikromobile berücksichtigt werden oder die Ladeinfrastruktur bedarfsgerecht ausgebaut und technisch auf dem aktuellen Stand gehalten werden (s. auch QuadRad).

Zum Abschluss der Veranstaltung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich an einzelnen Thementischen vertieft zu informieren und offene Fragen zu den strategischen Zielen und Maßnahmen an den aufgestellten Stellwänden zu stellen. Dies wurde in zahlreichen Einzelgesprächen in Form von Verständnisfragen und Zuspruch genutzt. Nennenswerte Kritik wurde weder am gesamten Konzept noch an einzelnen Themen geübt, so dass das Projektteam davon ausgehen kann, ein für die Bürger umfassendes und sinnvolles Konzept erarbeitet zu haben.

Bürger informieren sich an den Stellwänden über das Projekt e-GAP 2030

  

Weiterführende Links:

Projektseite e-GAP 2030

Artikel im Garmisch-Partenkirchner Tagblatt – Die Ziele sind schon einmal formuliert (PDF)