E-Schneefräse

Auch auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, ist elektrischer Antrieb ein Thema und zwar nicht nur wegen der Zahnradbahn.
Seit einem Jahr ist dort eine elektrische Schneefräse im Einsatz, die extra an die speziellen Anforderungen vor Ort angepasst wurde.

Wir bedanken uns bei Herrn Markus Neumann, Prokurist und Leiter Technik und Forschung der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus GmbH, der uns freundlicherweise folgende Informationen und das Bildmaterial zur Verfügung gestellt hat.

Ausgangssituation bis 2012
Die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus (UFS) liegt auf einer Höhe von 2650 m und verfügt über Messterrassen mit einer Fläche von ca. 450 m². Nach Neuschneefällen und/oder starken Windverfrachtungen müssen bestimmte Bereiche durch Schneefräsen geräumt werden. Hierfür kamen insgesamt fünf Fräsen verschiedener Größe und Leistungsstärke zum Einsatz, die über die verschiedenen Stockwerke des Schneefernerhauses verteilt sind. Die Fräsen wurden mit herkömmlichem Ottokraftstoff betrieben und verbrauchten im Schnitt 400 l pro Jahr.

Problem
Die Spurengasmessungen des Umweltbundesamtes (UBA) und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurden auf der UFS durch den Einsatz von benzinbetriebenen Schneefräsen massiv gestört.

Lösungsansatz und technische Umsetzung
Es wurde geplant auf eine elektrisch betriebene Schneefräse umzusteigen. Allerdings ergaben Recherchen, dass die aktuell auf dem Markt erhältlichen leistungsfähigen Elektroschneefräsen auf Grund ihres Gewichts (> 1 to) nicht einsetzbar sind. Darüber hinaus erfolgt die Stromversorgung dieser Elektroschneefräsen über Kabel, was die Mobilität extrem einschränkt. Somit wurde zusammen mit der TU München (Lehrstuhl Fahrzeugtechnik) folgendes Konzept umgesetzt: Es wurde auf eine bewährte, benzinbetriebene Honda Schneefräse (HSM 1390i) aufgesetzt, bei welcher der Benzinmotor durch einen Elektroantrieb mit Wechselakkusystem ersetzt wurde.
Der Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TU München ist übrigens auch als Projektpartner bei e-GAP vertreten.

Wichtigste technische Eckdaten der elektrischen Schneefräse:

– Gesamtgewicht 370 kg
– Akkulaufzeit min. 120 min (Dauerbetrieb)
– Einsatzfähig bis – 30°C
– Wechselakkusystem (2x 400Ah)
– Bessere Räumleistung wie vorhandene, benzinbetriebene Schneefräsen

Erste Erkenntnisse Mitte März 2013 bis Februar 2014
Die von der TUM umgebaute elektrische Schneefräse wurde Mitte März 2013 auf die UFS transportiert und unter härtesten Bedingungen getestet. Das höhere Gewicht von zusätzlich 120 kg gegenüber der mit Verbrennungsmotor angetriebenen Schneefräse wirkt sich im Fräsbetrieb äußerst positiv aus, da der Raupenantrieb dadurch über eine wesentlich bessere Traktion verfügt. Die Kapazität eines Akkus reichte bei schweren Bedingungen (hohe Schneelage, windgepresster Schnee) auf der Terrasse im 5. OG für 3 Stunden Fräsbetrieb. Es kam zu keiner Zeit zum Ausfall der Fräse. Die Terrassen im 4. und 5.OG wurden ausschließlich mit der elektrischen Schneefräse geräumt.

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