e-GAP-Intermodal: Der elektrische Antrieb bewährt sich beim Einsatz im Carsharing. Nutzer sind mit Reichweite und Handling sehr zufrieden.

Elektrofahrzeuge erweisen sich als ideal im Carsharing-Einsatz

Im Forschungsprojekt e-GAP intermodal werden durch den Projektpartner Deutsche Bahn (DB) Elektrofahrzeuge im Rahmen des Carsharing-Systems Flinkster eingesetzt, um die Angebotslandschaft öffentlich zugänglicher Mobilitätsdienstleistungen in der Marktgemeinde zu erweitern. Seit Sommer 2013 stehen im Rahmen des STMWI-geförderten Projekts insgesamt fünf Elektrofahrzeuge an drei Stationen in der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen zur Verfügung. Dadurch besteht für die Öffentlichkeit vor Ort jederzeit die Möglichkeit, ein batterieelektrisch angetriebenes Auto stundenweise auszuleihen. Im Rahmen einer Befragung nach einem Jahr Betrieb bat das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) einige Nutzerinnen und Nutzer um eine Bewertung ihrer Erfahrungen mit diesem Angebot. Die Angaben zum elektrischen Antrieb und zur Qualität der Dienstleistung e-Flinkster fallen ausgesprochen positiv aus und zeigen, dass sich viele Erkenntnisse aus Großstädten zum Großteil durchaus auch auf den eher ländlich ausgerichteten Raum übertragen lassen[1].

Insbesondere die Reichweite von batterieelektrischen Fahrzeugen wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft als große Schwäche angesehen und für die Zukunft als einer der Schlüsselfaktoren für eine breite Akzeptanz der Elektromobilität gewertet. Diese Sicht ist geprägt von der momentan noch verbreiteten Erfahrung, den Tank eines Verbrennungsfahrzeugs an der Tankstelle in wenigen Minuten mit einer so großen Menge an Energie befüllen zu können, dass viele hundert Kilometer Reichweite möglich sind. Dies ist bei batterieelektrischen Fahrzeugen anders: Die Kapazität der Batterie ist geringer, sie reicht bei den in Garmisch-Partenkirchen eingesetzten Fahrzeugen etwa für maximal 120 km Fahrt. Dabei wird die tatsächliche Reichweite v.a. durch Fahrweise, Außentemperatur und den Einsatz von Nebenverbrauchern wie Radio oder Heizung beeinflusst. An einer Ladestation müssen die Batterien dann je nach Restkapazität über mehrere Stunden wieder aufgeladen werden.  

Skepsis gegenüber diesen Einschränkungen sind weit verbreitet, aber in den meisten Fällen unbegründet: Die Batteriekapazität reicht für ca. 90% aller Fahrten völlig aus, in Deutschland beträgt die durchschnittliche mit dem Pkw zurückgelegte Tagesstrecke nur circa 40 km. Die meiste Zeit des Tages dagegen stehen Autos, private Autos 23 Stunden im Durchschnitt. Sie benötigen damit viel Platz, vor allem im öffentlichen Raum ein Problem. Carsharing-Fahrzeuge bringen hier klare Vorteile durch die geteilte Nutzung. Die durchschnittlich pro Buchung zurückgelegte Strecke bei e-Flinkster beläuft sich auf circa 35 km. Die maximale Reichweite der eingesetzten Fahrzeuge wird also bei weitem nicht ausgereizt. Entsprechend positiv fällt die Zustimmung der befragten Nutzerinnen und Nutzer zu der Aussage aus, die Reichweite sei für alle ihre Fahrtzwecke ausreichend gewesen.

 

In der Praxis zeigt sich, dass viele Nutzerinnen und Nutzer zunächst sehr skeptisch sind, was die Reichweite angeht. Der Begriff „Reichweitenangst“ fand daher schnell Eingang in die Begriffswelt der Begleitforschung zur Elektromobilität. Reichweitenangst beschreibt ein Gefühl der Unsicherheit, das sich aber durch Gewöhnung an den erreichbaren Radius schnell abschwächt. Um ihr entgegen zu wirken, können e-Flinkster-Nutzer in der Umgebung von Garmisch-Partenkirchen an vielen Punkten zwischenladen. Im Bordbuch und auf e-gap.de sind öffentlich zugängliche Ladesäulen oder Anschlüsse bei Hotels und Gaststätten genannt, die vor allem bei Ausflugsfahrten gerne angesteuert werden. Die Befragung zeigt, dass immerhin etwa ein Drittel der Befragten Nutzerinnen und Nutzer diese Möglichkeit in Anspruch nahm, auch wenn die Fahrtstrecke keine Zwischenladung erfordert hätte. Es ist zu vermuten, dass die weitere Nutzung die Skepsis weiter abbaut und die Zwischenladung weniger relevant wird.

Auch wenn viele Fahrten im Nahraum stattfinden, immer wieder sind auch weitere Entfernungen zurückzulegen. Während die Konzepte der Automobilindustrie dafür heute meist auf Range-Extender mit Verbrennungsmotoren zurückgreifen und viele Forscher das Thema Schnellladung forcieren, setzt die Deutsche Bahn bei weiteren Strecken auf ihr Kerngeschäft, die Fahrt mit dem Zug. e-Flinkster ist also im Gegensatz zum „Universalautomobil“ eher als Teil einer intermodalen Angebotslandschaft zu verstehen, in der bei Bedarf das Verkehrsmittel gewechselt wird. Die Befragungsergebnisse zeigen, dass zumindest die Befragten Nutzerinnen und Nutzer mit diesem in den klassischen öffentlichen Verkehr integrierten Angebot sehr zufrieden sind. Wer erst einmal die Schritte der Registrierung und Buchung eines Fahrzeugs durchlaufen hat, nutzt das Angebot zumeist sehr gerne. Auch dass e-Flinkster den Öffentlichen Verkehr ideal ergänzt und gleichzeitig den Tourismus stärkt, sind wichtige Erkenntnisse der Begleitforschung im Projekt.

 Die Befragungen des InnoZ zeigen allerdings auch: Immer noch gibt es viele Menschen, die sehr skeptisch sind, ob das Carsharing-Angebot wirklich funktioniert und sich nicht trauen, es einmal selbst auszuprobieren. Die hier dargestellten Ergebnisse können die Skeptiker durchaus ermutigen, neue Mobilitätsdienstleistungen wie Carsharing einfach einmal auszuprobieren. Denn wer es einmal ausprobiert hat, ist zumeist sehr zufrieden damit.

Für Rückfragen zu e-Flinkster und den Befragungen und sonstigen Erhebungen im Projekt e-GAP intermodal können Sie sich an e-GAP@innoz.de wenden. Martin Sauer vom InnoZ-Büro München beantwortet Ihre Fragen gerne.  


[1] BeMobility 2012:Bewertung integrierter Mobilitäts-dienste mit Elektrofahrzeugen aus Nutzerperspektive